Haimingerberg
Hoch über Haiming
Der Haimingerberg ist eine weit verstreute Bergsiedlung mit sieben Weilern und sechs Einzelhöfen. Sie liegt am südöstlichen Berghang mit relativ günstigen klimatischen Bedingungen und ist bereits seit vielen Jahrhunderten besiedelt. Vermutlich war das Gebiet sogar schon zur Römerzeit bewohnt, sichere Quellen gibt es aber erst aus der Zeit um 1200. Im Urbar Meinhards II aus dem Jahr 1288 werden einige Schwaighöfe genannt, u. a. am Heuperch (Höpperg), in Mitterperch (Mittelberg), Gerune (Grün), Pfaffeneben und Gewike (Gwiggen). Auch die Höfe Hausegg, Stamml, Lerach (Larchet) und Egg werden bereits 1325 in der Steuerliste von St. Petersberg genannt.
Zwischen "Enterberg" und "Nederberg"
Der Haimingerberg verteilt sich von rund 900 bis rund 1.260 Höhenmeter und auf eine Länge von ca. 6 km – oberhalb von Silz bis Ötztal-Bahnhof. Der zentrale Weiler mit der Pfarrkirche ist Höpperg. Von den Einheimischen werden die östlich gelegenen Ortsteile „Enterberg“, die westlichen „Nederberg“ oder auch „Hederberg“ genannt. Zum „Enterberg“ gehören Pfaffeneben und Gwiggen sowie die Einzelhöfe Klocker, Hochronen und Silzer. Zum „Nederberg“ im Westen gehören die Weiler Höpperg, Mittelberg, Larchet, Grün und das auf 1.260 Metern am höchsten gelegene Hausegg sowie die Einzelhöfe Stammlhof, Egge und Lahnbach.
Vom "Silzerberg" zum "Haimingerberg"
Der Haimingerberg hatte lange Zeit eine enge Verbindung zur Gemeinde Silz und hieß bis 1959 tatsächlich Silzerberg. Zwar gehörte der Silzerberg schon seit frühesten Zeiten zur (politischen) Gemeinde Haiming, in pfarrlicher Hinsicht jedoch zu Silz. Die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Kirche am Haimingerberg wurde bis 1964 von der Pfarre Silz mitbetreut, erst danach von der Pfarre Ötztal-Bahnhof. Heute ist sie Teil des Seelsorgeraums Haiming.
Ursprünglich gab es auch keinen Fahrweg von Haiming aus auf den Berg. Von Silz aus führte an Schloss Petersberg vorbei ein Karrenweg bis Höpperg und Mittelberg. Alle anderen Weiler waren nur über Fußwege erreichbar. Ein Straßenbauvorhaben aus den 1920er Jahren scheiterte an den unterschiedlichen Vorstellungen der Betroffenen bzgl. der Trassierung. Anfang der 1930er Jahre wurde die erste Materialseilbahn nach Mittelberg gebaut, 1938 eine weitere von Haiming nach Höpperg und eine dritte von Silz nach Gwiggen. Das erleichterte zumindest den Transport von Waren auf den Berg. Erst 1954 begann man mit dem Bau einer Fahrstraße von Haiming zum Haimingerberg, die in den 1970er Jahren schließlich bis über das Sattele nach Ochsengarten erweitert wurde. Die Straße brachte nicht nur Mobilität, sondern auch einen Modernisierungsschub. Die Haimingerberger waren bis dahin hauptsächlich als Landwirte tätig. Der steilen Höhenlage entsprechend bestand der Haupterwerb in der Viehzucht. Für den Eigenbedarf wurden auch Korn, Erdäpfel und Obst angebaut. Die Straße erleichterte den „Bargern“, einen Beruf auch außerhalb der eigenen Landwirtschaft nachzugehen.
Die Schule besuchten die Haimingerberger seit Mitte des 19. Jahrhunderts im eigenen Weiler. Im „Schulhäusl“ – auf der Straße von Höpperg nach Hausegg – wurde zuerst unterrichtet, später im Widum und seit 1964 im eigenen Schulgebäude. Seit 2017 besuchen auch die Ochsengartner Kinder die Volksschule am Haimingerberg.
Die Haimingerberger sind stolz auf ihren Ortsteil und auf ein gut funktionierendes Pfarr- und Vereinsleben mit Feuerwehr, Schützen, Landjugend usw.
Einwohnerzahlen Haimingerberg am 1. Jänner 2021:
Hauptwohnsitze: 337
Nebenwohnsitze: 15
Blick auf Mittelberg und Larchet; die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2019.
Alte Ansicht von Grün
Die Haimingerberger haben einen besonderen Ausblick auf das darunterliegende Haiming und Ötztal-Bahnhof. Die Aufnahme stammt von Hannes Kapeller aus dem Jahr 2019.
Blick auf Höpperg mit der Pfarrkirche, dem Hotel Ferienschlössl rechts, dem Gasthaus Bergland darunter und den umliegenden Wohnhäusern
Wege auf den Haimingerberg
Über Jahrhunderte war Haimingerberg (früher „Silzerberg“) nur über einen Fußsteig zu erreichen. Erst seit Ende der 1950er Jahre führt von Haiming aus direkt eine Straße auf den „Barg“. 1959 wurde der Silzerberg schließlich auch in Haimingerberg umbenannt. Die Bauarbeiten für die Straße begannen 1954, 1958 waren die ersten sieben Höfe erschlossen. 1961 führte die Straße bereits von Höpperg bis Mittelberg und 1962 bis Larchet. 1963 wurde Hausegg erschlossen, 1965 wurde die Straße bis Grün fertiggestellt. Die Straße von Hausegg über das Sattele wurde 1971 bis 1973 gebaut.
Bild rechts:
Bau der Straße über das Sattele - hier mit Blick auf das Marienbergjoch. Mit der Fertigstellung der Straße im Jahr 1972 rückte Ochsengarten näher an die Gemeinde heran. Der Weiler war vorher nur über einen Fußweg über das Sattele bzw. über die Straße durch das Nedertal erreichbar.
Weitere Bilder vom Haimingerberg:
Das alte Bauernhaus von Sigmund Prantl im Weiler Grün. Aufnahme von 1965.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Blick auf Höpperg im Februar 1965.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Anwesen „Pultn“ in Gwiggen Nummer 3. Aufnahme von 1967, im Bild Christine und Erich Praxmarer.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Haus „Hanseler“ in Mittelberg 35. Im Bild Hermine Gritsch geb. Leitner. Aufnahme im Juli 2000.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Haus „Kappes“ in Grün Nr. 18. Vor dem Haus Gertraud Neurauter mit Tochter Maria Fux. Aufnahme von 1992.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Höpperg mit Pfarrkirche und Widum, der am 18. März 1971 ein Raub der Flammen wurde. Aufnahme Februar 1965.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Haus „Mandles“, links im Hintergrund das Haus „Nazn“. Aufnahme von 1974.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Doppelhaus in Hausegg Nr. 13/12.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer, 1974
Fronleichnamsprozession am 18. Juni 1995 am Höpperg mit Pfarrer Franz Lanbach.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Fronleichnamsprozession am 18. Juni 1995 am Höpperg mit Pfarrer Franz Lanbach.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Der Stammlhof am Haimingerberg Nr. 44. Aufnahme gegen Südwesten aus dem Jahr 1997. Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Der Stammlhof am Haimingerberg Nr. 44. Aufnahme gegen Norden aus dem Jahr 1997. Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Höpperg, Haus Nr. 31 „Michls Heinrich“. Ehemals Doppelhaus für die Familien Köll und Prantl. Im Bild oben: Maria Köll „Vizn“ mit Kind Anna, Jakob Köll „Jaggeles“ hölt Tochter Rosa, ganz links Johann Prantl. Unten im Bild das Ehepaar Josef und Kreszenz Prantl. Aufnahme um 1910.
Foto: Chronik Haiming
Höpperg gegen Westen, Aufnahme um 1900
Blick auf Hausegg, Nachweis: Chronik Haiming
Blick von Höpperg auf Haiming. Aufnahme 1974.
Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Larchet Haus Nr. 41. Im Bild Gretl Gritsch mit Enkelin Anita. Das Haus ist 1903 abgebrannt und wurde neu aufgebaut. Aufnahme im September 1983. Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer
Die Pfarrkirche am Höpperg von der Westseite, links im Bild der Sakristeianbau. Foto: Chronik Haiming/Karl Hofer











