10 Jahre in Kriegsgefangenschaft
Kälte, Hunger, Angst: Franz Markt – Heimkehrer aus Sibirien
1941 musste Franz Markt als Wehrmachtssoldat zunächst nach Deutschland, später nach Norwegen, wo er in der 4. Kompanie des 138 Gebirgsjägerregiments erstmals mit den Schrecken des Krieges konfrontiert wurde. Von Norwegen aus rückte seine Kompanie nach Leningrad vor – von 130 Mann seiner Kompanie überlebten nur 36 diese Schlacht.
Nach Ende des Krieges – am 9. Mai 1945 – wurde er in Oberschlesien (im heutigen Polen) von Russen gefangengenommen und in ein Kriegsgefangenenlager nach Sibirien überstellt. Dort mussten sie Holzarbeiten erledigen. Sie litten nicht nur an der bitteren Kälte von bis zu -55°C, sondern auch am ständigen Hunger. Unterernährung, katastrophale hygienische Zustände und Krankheiten wie die Ruhr waren an der Tagesordnung, Läuse und Wanzen ständige Begleiter. Von den insgesamt 1.000 Lagerinsassen in diesem ersten Lager überlebten nur 46. Nach vier Jahren in diesem Lager wurde Markt 1950 in ein anderes Lager verlegt. „Immer wieder wurde uns die Heimkehr versprochen, immer wieder machten wir uns Hoffnungen. Dazwischen Verhöre und Schläge. Bei einem dieser Verhöre habe ich mehrere Zähne verloren.“ (Frank Markt im Gespräch mit Manfred Wegleiter, Dezember 1998) Die Hoffnung auf eine Heimkehr wurde immer geringer, Franz Markt wurde von einem Lager ins nächste verlegt. Einmal im Monat durfte er nach Hause schreiben, selten kam auch Post von zuhause – später auch Pakete mit Lebensmitteln. Zum Alltag im Lager gehörte der Tod eines Kameraden, alle Gedanken drehten sich ums Essen und das eigene Überleben. Frank Markt hat überlebt. Warum genau, das konnte er selbst nicht genau sagen. Er hat die Hoffnung nie aufgegeben, überstand Lungenentzündungen und die Ruhr, magerte auf 48 kg ab, blieb aber von anderen Krankheiten in den Lagern verschont. Als Hauptgrund für sein Überleben, nannte er seine außerordentlich gute Natur, Entbehrungen war der in ärmsten Verhältnissen aufgewachsene Markt von Kind auf gewöhnt.
Erst 10 Jahre nach seiner Gefangennahme, am 9. Mai 1955 kehrte er mit einem Heimkehrerzug endlich heim. Der Empfang in Markts Heimatgemeinde war groß. Kurze Zeit später lernte er seine Frau Erika kennen, mit ihr zog er 1967 ins Bahnwärterhaus nach Haiming.
Auch Jahrzehnte nach seiner Freilassung hat die Kriegsgefangenschaft bei Franz Markt ihre Spuren hinterlassen. Neben Lungenproblemen und anderen körperlichen Problemen waren es vor allem psychische Belastungen, wie Angst, Unsicherheit, Schlafstörungen etc. Franz Markt verstarb am 5. November 2005.
Ein ausführliches Portrait über den Heimkehrer Franz Markt (Quelle: s'Dorfblattl, Ausgabe Dezember 1998, Manfred Wegleiter) können Sie hier als PDF nachlesen.
Frank Markt wurde als Meldereiter eingesetzt, obwohl er gar nicht richtig reiten konnte.
Franz und Erika Markt in ihrem Haus in der Wiesrainstraße. Die Familie Markt kam 1967 nach Haiming.
74 Gefallene und 24 Vermisste
Haiming hatte im 2. Weltkrieg 74 Gefallene zu beklagen: 53 Männer aus Haiming, 14 aus Haimingerberg (damals noch Silzerberg) sowie 7 aus Ochsengarten.
Die jüngsten Gefallenen waren Burschen mit erst 17 Jahren, die ältesten waren 41 Jahre alt. Sie ließen ihr Leben in diesem sinnlosen Krieg an den unterschiedlichsten Kriegsschauplätzen: Deutschland, Russland, Frankreich, Jugoslawien uvm.
Weitere 24 junge Männer aus ganz Haiming gelten als Vermisste des 2. Weltkriegs. Es ist furchtbar und kaum vorstellbar, was die betroffenen Haiminger Familien mitgemacht haben.
Den Gefallenen zum Gedenken wurde am 24. Oktober 1954 das Kriegerdenkmal bei der Haiminger Kirche eingeweiht. 1949 war Josef Ripfl der letzte Haiminger Heimkehrer.
In Ochsengarten sind die Namen der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege festgeschrieben.
Das Kriegerdenkmal am Haiminger Friedhof wurde zum Andenken an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege errichtet. Das Schicksal hat unterschiedlich hart zugeschlagen, so verlor die Familie Fontana drei Söhne im 2. Weltkrieg. Eine Glocke der Kirche ist den Gefallenen und Vermissten gewidmet. Sie trägt die Aufschrift: „Ich rufe die Gefallenen im fernen Grab. Ich rufe die Vermißten landauf, landab. Ihr Heimgekehrten, danket Gott, der euch errettet aus aller Not!“
Auch am Haimingerberg sind die Namen der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege festgeschrieben.