Brunau
Alte Höfe und kostbares Nass
Die erste Ortschaft im Ötztal heißt Brunau und gehört zur Gemeinde Haiming. Der Ortsteil liegt auf einer kleinen Ebene nahe der Ötztaler Ache und wird seit Jahrhunderten von Menschen besiedelt. Die ältesten schriftlichen Hinweise auf eine menschliche Ansiedelung stammen aus den Steuerlisten von St. Petersberg aus dem Jahr 1627 – dort werden eine Rot- und eine Weißgerberei in Brunau erwähnt. Weiters werden im Historischen Ortslexikon Tirols zwei Urhöfe in Brunau auf das Jahr 1628 datiert. Brunau hatte eine enge Verbindung zum Stift Stams: Die Güter waren Lehen des Stiftes und in der „Garb“ (=Gerberei) wurden unter anderem im Auftrag des Stiftes die Tierhäute aus der gesamten Umgebung gegerbt.
Im Namen Brunau – früher auch „Brunnau“ geschrieben – steckt bereits ein Hinweis auf die Bedeutung des Weilers für die Gemeinde Haiming. Schon die alten Wasserwaale aus dem frühen 16. Jahrhundert wurden vom Stuibenbach in Ambach über Brunau geleitet. Heute bilden die 22 Quellen in Brunau die Grundlage für die Haiminger Trinkwasserversorgung. Im Sommer kommen rund 3/4 des Trinkwassers aus den Brunauer Quellen. 100 Sekundenliter gehen von den Quellen in die Fassung, 50 Sekundenliter gelangen über die Freispiegelleitung ins Haiminger Wassernetz.
Die vielen Quellen rund um den „Gadnerhof“ in Brunau sind sowohl geologisch-tektonisch, als auch durch die Flusslaufentwicklung begründet. Die Quellwässer werden in Brunau auf der Grundstücksnummer 3356/6 gefasst (das Grundstück liegt taleinwärts nach dem Wehr entlang der Ötztaler Ache). Das gesamte Grundstück ist als Quellschutzgebiet ausgewiesen.
Die Brunauer
Die Brunauer werden – wie die Ambacher – auch als „Uaneadler“ bezeichnet und gingen wie diese lange Zeit in Sautens zur Schule. Seit Mitte der 1960er Jahre besuchen auch die Brunauer Kinder die Volksschule in Ötztal-Bahnhof.
In den alten Dokumenten und Verfachbriefen zu Brunau finden sich immer wieder folgende Namen: Rettenbacher, Köll (Müllers), Hechenberger, Kopp, Strigl (Färbers), Haid (Garbers), Gadner, Graßmair, Kuen, Amprosi, Neurauter und Walser (Vizn), Gstrein, Scheiber. Die direkten Nachkommen der Familien Köll, Strigl, Haid (Schlatter), Gadner (Kneissl) und Neurauter leben heute noch in der Brunau. Brunau ist heute noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt, die Zahl der Einwohner/innen hat sich in den letzten 170 Jahren jedoch deutlich reduziert.
1851 gab es in Brunau 18 Häuser mit 20 Familien und insgesamt 85 Personen, 2021 sind es nur mehr 27 Personen mit Hauptwohnsitz in Brunau.
Einwohnerzahlen Brunau am 1. Jänner 2021:
Hauptwohnsitze: 27
Nebenwohnsitze: 4
Über Jahrhunderte war die Mühle in Brunau in Betrieb. Das „Miehlele“ wurde von einer Interessentschaft betrieben, eine Reaktivierung der Mühle scheiterte jedoch vor einigen Jahren. Um das „Miehlele“ vor dem endgültigen Verfall zu bewahren, wird an eine Sanierung gedacht.
Detailansicht der Mühle in Brunau - betrieben wurde sie mit dem Brunauer Mühlwaal
Ein alter Backofen in der Brunau – er gehört zum Haus „Garb“ der Familie Haid, heute Walter Schlatter, Brunau 9.
Einer der ältesten Höfe ist der Brunnauhof, er war ein Stamser Stiftsgut und wurde in allen Verträgen des 18. und 19. Jahrhunderts erwähnt. Seit 1932 ist der Hof im Besitz der Familie Köll („Müllers). Der Name „Brunnauhof“ wird heute aber nicht mehr verwendet.
Wohnhaus des Norman Kneissl in Brunau
Die Kapelle von Brunau wurde 1812 erbaut und ist der Mutter Gottes zu Einsiedeln geweiht.
Hofensemble in Brunau; Aufnahme aus dem Jahr 2016
Hinweisschild zum Hofladen von "Färbers Hof" in Brunau 7
Der Ötztal-Radweg führt durch Brunau durch und anschließend über die Holzbrücke über die Ötztaler Ache (gehört bereits zu Sautens)

